Sozialunternehmen in der "Business School"!

Von Benedikt Bentler am 27. Mai 2014 | 13:05


Das Wort "Inkubator" bezeichnet ursprünglich einen Brutkasten. In der Startup-Szene nutzt man diesen Begriff für Unternehmen, die jungen Gründern Netzwerke, Know-How, Büroräume oder Kapital zur Verfügung stellen. Damit schafft ein Inkubator das richtige Umfeld für erfolgreiches Wachstum - genau wie der Brutkasten. Y Combinator hat nun als einer der wichtigsten Inkubatoren im Silicon Valley damit begonnen, die
Unterstützung für soziale Startups auszubauen. Das ist einerseits nur logisch und konsequent, andererseits auch sehr besonders. Logisch, weil soziale Startups, wie auch boost eines ist, wie Pilze aus dem Boden schießen und damit zunehmend Investitionsmöglichkeiten bieten. Besonders, weil der finanzielle Gewinn bei sozialen Startups hinter dem Ziel gesellschaftlichen Mehrwerts steht. Das macht diese Unternehmen uninteressant für viele Risikokapitalgeber, die sich dem Risiko entsprechend hohe Gewinne versprechen.


Natürlich gibt es bereits Geldgeber und Unterstützer für soziales Unternehmertum, hier in Deutschland sind das zum Beispiel das Social Impact Lab, der Social Venture Fund, Bon Venture oder Ashoka. Trotzdem gibt es einen Unterschied zu Y Combinator: Diese erwähnten Unterstützer aus Deutschland haben sich auf soziale Startups spezialisiert. Y Combinator ist aber aus dem Kontext anderer Startups bekannt: Reddit, Dropbox, Rap Genius und Disqus - allesamt For-Profit-Unternehmen mit beeindruckender Entwicklung. Y Combinator unterstützt mit einer recht kleinen Anschubfinanzierung gegen Anteile, insbesondere allerdings durch das bestehende Netzwerk im Sillicon Valley und das Mentorenprogramm, in dem auch erfolgreiche Unternehmer wie Reddit-Gründer Alexis Ohanian oder Groupon-Chef Andrew Mason vertreten sind. 

Interessant, dass soziales Unternehmertum nun für einen der besten und erfolgreichsten For-Profit-Inkubatoren aus den USA in den Fokus rückt. Glaubt man Sam Altman, dem zukünftigen Chef von Y Combinator, möchte sich der Inkubator in Zukunft nicht nur auf Internetstartups konzentrieren, sondern den Fokus auf Online- wie Offline-Startups legen, die sich u. a. mit den strukturellen Problemen der Kranken-, Nahrungs-, und Trinkwasserversorgung auseinandersetzen. Auch Bildung, Energieversorgung und Robotik soll mehr in den Mittelpunkt rücken. Damit scheint Y Combinator - genau wie immer mehr Gründer - reale Probleme angehen zu wollen.


Y Combinator hat erkannt, dass sich mit Unternehmen nicht nur Gewinne erwirtschaften, sondern auch soziale und gesellschaftliche Probleme lösen lassen. Und dass man bei der Suche nach diesen Problemen Erfolge verzeichnen könnte - eben aufgrund der Erfahrung und des Know-Hows aus dem For-Profit-Bereich. Hinter boost steckt ein ähnliches Selbstverständnis: Es geht darum, reale Probleme mit den Strategien und dem Know-How eines Unternehmers anzugehen.

Wir hoffen, dass das Modell von Y Combinator Schule macht und sich auch hiesige Inkubatoren dazu entscheiden, sich mehr im Bereich der Social Startups zu engagieren. Der Irrglaube, dass die Finanzierung eines Social Startups mehr einer schnell verpuffenden Spende gleicht, als einem langfristig helfenden Kredit, muss verschwinden. Y Combinator hat den ersten Schritt getan, die Unternehmensgruppe Tengelmann ebenfalls: Tengelmann unterstützt mit dem Tochterunternehmen Tengelmann Ventures bereits seit Jahren innovative Startups, dringt nun mit Tengelmann Social Ventures auch in den Bereich sozialer Startups vor. Weiter so.
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