Charity des Monats: Förderinitiative Nightlines Deutschland e.V.

Von Benedikt Bentler am 14. Januar 2014 | 13:01


Die Idee des Sorgentelefons für Studenten namens Nightline kommt aus Großbritannien. Hierzulande ist das Konzept der Nightlines noch recht jung, 2009 gab es gerade einmal drei in Deutschland: In Münster, Heidelberg und Freiburg. Das reicht nicht. So dachten wohl auch ein paar pfiffige Mitarbeiter und gründeten die überregionale Förderinitiative Nightlines Deutschland e. V., um die Idee des Telefons von Studenten für Studenten in der Bundesrepublik zu säen. Blickt man auf die letzten Jahre zurück, scheint die Saat aufgegangen zu sein. Mittlerweile gibt es Nightlines in fünfzehn deutschen Städten. Die Stiftung unterstützt die örtlichen Studententelefone insbesondere in ihrer Gründungsphase, organisiert überregionale Konferenzen und treibt die Gesamtentwicklung voran. Was das im Detail bedeutet, erfahrt ihr im Interview mit der Vorstandsvorsitzenden Lena Moedder. 

Hallo Lena, stell doch mal kurz vor, worum es bei den Nightlines und eurer Stiftung geht.

Die Nightline ist ein örtliches Sorgentelefon von Studenten für Studenten. Man kann anrufen und seine Probleme, egal ob groß ob klein, erzählen. Wenn man jemandem zum Reden braucht, ist die Nightline da. Wir als Stiftung bzw. Förderinitiative unterstützen die Nightlines finanziell, insbesondere im Rahmen der Gründung und treiben die Entwicklung des Nightline-Konzeptes voran. Wir möchten auch allgemein die Bereitschaft des Zuhörens und für andere da zu sein fördern. Das machen wir über die Nightlines, fangen aber auch an uns auf andere Bereiche des Lebens auszuweiten. Wir organisieren deutschlandweite Konferenzen und auch Konferenzen über die Ländergrenzen hinweg. Letztes Jahr gab es eine EU-Konferenz, die wir zusammen mit der Nightline-Association aus Großbritannien organisiert haben. 

Wir funktioniert denn die Gründung einer Nightline und welche Rolle spielt ihr als Förderinitiative dabei?

Viele Gründungen regen wir selbst an, zum Beispiel wenn jemand von uns in eine neue Stadt zieht, in der es noch keine Nightline gibt. Oft treten aber auch Leute aus entsprechenden Städten selbst an uns heran und erzählen, dass sie gern eine Nightline gründen möchten. Wir versorgen sie dann erstmal mit Antworten auf viele offene Fragen: Wie sind die Nightlines aufgebaut und organisiert? Woher kommen die finanziellen Mittel? Wir stellen auch Kontakte zum Hochschulrektor oder zum Studentenwerk her, wenn das möglich ist. Finanziell unterstützen wir die Nightlines dann zum Beispiel bei der ersten Schulung. Wir haben auch selbst eine Psychologin in der Stiftung, die die Schulungen zu besonders günstigen Preisen möglich macht. 

Und was lernt man in diesen Schulungen?

Das aktive Zuhören nach der Methodik von Carl Rogers. Die meisten Nightliner haben ein bis zwei Wochenenden Schulung und werden dann langsam an den Telefondienst herangeführt. Es steht aber immer ein erfahrener Nightliner zur Seite.


Was ist denn das Schwierigste an der Arbeit als Nightliner?

In Birmingham, wo ich studiert und erstmals als Nightliner gearbeitet habe, hatten wir wirklich die ganze Nacht Dienst. Die Schichten begannen um 18 Uhr und endeten um 8 Uhr. Das Schwierigste war im Studentenwohnheim erklären zu müssen, wo ich mich die ganze Nacht rumtreibe. Man erzählt nämlich nicht unbedingt, dass man bei der Nightline arbeitet. Nur so kann die beidseitige Anonymität gewährleistet werden. 

Muss mann denn verheimlichen, dass man bei der Nightline arbeitet?

Es kommt darauf an, wie die eigenen Nightline dazu steht. Man sollte damit nicht hausieren gehen, dem Freund bzw. der Freundin oder den Eltern kann man es natürlich schon erzählen - auch wenn manche nicht einmal das tun. 

Wie geht man mit den Geschichten um, die man zu hören bekommt - insbesondere wenn man sie niemandem erzählen kann?

Das ist teilweise schwierig, insbesondere noch in der gleichen Nacht. Es arbeiten immer zwei Nightliner zusammen, damit sie sich gegenseitig unterstützen können. Es gibt aber auch die Möglichkeit der Supervision, wie man sie aus anderen psychosozialen Berufen kennt. 

Ruft auch mal jemand an und sagt "Ich finde super was ihr macht"? Denn direktes, positives und persönliches Feedback ist doch eine wichtige Motivationsquelle, insbesondere wenn man sich die ganze Zeit nur mit den Problemen anderer beschäftigt.

Ja, so etwas kommt meist am Ende des Gespräches. Aber die Gemeinschaft innerhalb der Nightline ist auch immer sehr motivationsfördernd. Man arbeitet mit Menschen zusammen, die das Gleiche leisten müssen. Insofern unterstützt man sich da schon stark, insbesondere nach weniger angenehmen Gesprächen. 

Wo ist denn eigentlich der Unterschied zur Nummer gegen Kummer?

Die Nummer gegen Kummer berät auch. Die Mitarbeiter bringen selbst Vorschläge und Handlungsmöglichkeiten mit ein, wir tun das nicht. Das ist aber auch Teil der eben angesprochenen Methode des "aktiven Zuhörens". Nachfragen und Verstehen führt zu Reflexion, wodurch der Anrufer seine Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten im besten Fall selbst erkennt. Das offene Ohr ist wirklich eine unterschätzte Form der Hilfe. Außerdem kennen die Nightliner die Stadt des Anrufers, was noch einmal Einfluss auf die Perspektive hat. 

Wenn unsere boost-Nutzer ihre Spenden jetzt sofort an euch weiterreichen, wofür werden diese eingesetzt? Welches Projekt treibt ihr gerade voran?

Wir führen derzeit das E-Mail-Listening ein. Das heißt man wird die Nightlines demnächst auch schriftlich über eine Internetplattform kontaktieren können, nicht mehr nur via Telefon. Aktuell benötigen wir noch Geld für die Unterhaltung dieser Plattform. Das erste Jahr ist zwar gesichert, wir haben Fördergelder von der EU erhalten, aber es soll ja auch nach einem Jahr noch weitergehen. 

Vielen Dank, Lena. Wenn ihr so weitermacht wie bisher, hat in wenigen Jahren jede Studentenstadt eine Nightline.



Zur Homepage.
Zur Charity-Profilseite.
blog comments powered by Disqus