Charity des Monats: Habitat for Humanity Deutschland e.V.

Von Benedikt Bentler am 18. März 2014 | 11:03


Habitat for Humanity will für Menschen ein Zuhause schaffen. Die Organisation ist weltweit in über 70 Ländern tätig und kann auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken: Seit der Gründung 1976 hat Habitat for Humanity über 800.000 Häuser gebaut und renoviert und damit für mehr als vier Millionen Menschen ein Zuhause geschaffen. Habitat for Humanity Deutschland e.V. kümmert sich derzeit besonders um den Häuserbau auf den Philippinen. Am 08. November 2013 tobte ein Taifun über den fünfgrößten Inselstaat der Welt hinweg, mindestens vier Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren. Habitat for Humanity Deutschland e.V. hilft vor Ort mit Nothilfesets, Know-How, Freiweilligenarbeit und Baumaterial. Wir haben mit dem für die Philippinen verantwortlichen Projektmanager Gereon Fischer über seine Organisation und die derzeitige Arbeit auf den Philipinen gesprochen.


Was tut genau deine Charity um die Welt ein Stück besser zu machen?

Habitat for Humanity Deutschland sorgt dafür, dass jede Familie ein schützendes Dach über dem Kopf erhält. Seit über 30 Jahren baut unsere Organisation einfache, aber sichere Häuser für Menschen auf der ganzen Welt, die entweder zuvor in Elendsbehausungen leben mussten oder durch eine Naturkatastrophe ihr Zuhause verloren haben. Unser Prinzip ist Hilfe zur Selbsthilfe: Wir arbeiten mit Mikrokrediten und sorgen auch dafür, dass das gesamte Umfeld - die Community - gestärkt wird. Nicht nur unsere Partnerfamilien, sondern auch das gesamte Umfeld erhält durch uns z.B. Schulungen zu Hygienestandards, zum korrekten Umgang mit Wasserfiltern, die wir auch aufrüsten, oder auch mal Nähkurse und Ähnliches. Ein sicheres, schützendes Zuhause nimmt für uns eine Schlüsselposition im Armutskreislauf ein, deshalb liegt unser Fokus auf dem Häuserbau. Wenn ein Dach über dem Kopf gewährleistet ist, dann ist auch alles andere möglich – eine Zukunft ist möglich. Leider leben immer noch etwa 1, 1 Milliarden Menschen weltweit ohne angemessene Unterkunft. Das wollen wir ändern.

Wie bist du zur Charity gekommen, was ist dein persönlicher Antrieb? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ich habe mich bereits im Studium sehr für entwicklungspolitische Themen interessiert und bin dann im Anschluss nach Namibia gegangen um für eine Stiftung zu arbeiten. Zu Habitat for Humanity bin ich dann gekommen, weil ich den Ansatz wichtig und auch ziemlich einzigartig finde. Ein Zuhause braucht doch jeder!

Was sind die größten Herausforderungen bei der Arbeit für die Charity?

Klar hat man in der alltäglichen Arbeit immer mal wieder Herausforderungen in der Koordination von verschiedenen Projekten in verschiedenen Ländern. Die größte Herausforderung ist aber, die Leute davon zu überzeugen, dass Spenden wirklich wichtig sind, dass sie im Projekt ankommen und dass sie etwas bewirken können. Sehr viel sogar! Bei uns ist das ja total konkret – wir bauen damit Häuser und sorgen dafür, dass eine Familie eine Zukunft hat.

Wie sieht es derzeit auf den Philippinen aus?

Auf den Philippinen ist einfach unglaublich viel zerstört worden. In manchen der betroffenen Regionen sind über 90% der Häuser zerstört, da steht nichts mehr. Schätzungen sprechen von vier Millionen Menschen, die durch den Taifun ihr Zuhause verloren haben. Direkt nach der Katastrophe haben wir Nothilfesets an die Menschen verteilt, sodass sie notdürftig ihr Haus wiederherstellen konnten – wenn noch eins da war. Jetzt, vier Monate nach dem Sturm, sind wir in der Phase des Wiederaufbaus – unser Ziel ist es, bis zu 30.000 neue Häuser für die betroffenen Familien zu bauen. Entsprechende Abkommen mit den Behörden sind vielerorts bereits unterschrieben, es geht jetzt richtig los. Wir sind aber dringend auf weitere Spenden angewiesen, um dieses ehrgeizige Ziel erreichen zu können. Tatsächlich sind wir schon seit über zwanzig Jahren auf den Philippinen aktiv. Man weiß unser Know-How und unsere Möglichkeiten in Sachen Nothilfe und Häuserbau zu schätzen.

Wie funktioniert die Koordination vor Ort, einerseits mit den Behörden, andererseits mit den Betroffenen? Wer entscheidet wie, welche Familie ein Haus bekommt?

Das läuft über sehr viele verschiedenen Ebenen. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass wir im Land schon so lange aktiv sind und daher auf viele verschiedene Netzwerkpartner und lokale Stakeholder zurückgreifen können. Die meisten unserer Projekte sind Gemeinschaftsprojekte von Behörden, lokalen Partnern und Habitat for Humanity. Wir haben mehrere Niederlassungen auf den Philippinen und ein großes Team von Leuten. Was die Vergabe der Häuser betrifft, gibt es da ganz klare Kriterien: Der Grad der Bedürftigkeit ist ebenso entscheidend wie der Gefährdungsgrad der Wohnlage. Ein Beispiel: Auf Bantayan werden z.B. Familien umgesiedelt, die durch die direkte Küstenlage einfach sehr gefährdet sind, falls es einen erneuten Sturm gibt - und der wird garantiert kommen. Ziel ist natürlich, dass alle vom Taifun betroffenen Familien ein neues, sicheres Zuhause erhalten. Letztendlich ist das alles eine Frage des Spendenvolumens.



Was kostet denn solch ein erdbebensicheres Haus für eine fünfköpfige Familie?

Bereits für umgerechnet 4.000 EUR kann ein einfaches, aber solides Haus für eine fünfköpfige Familie gebaut werden. Da sind dann schon die Projektkosten aller Beteiligten mit drin.

Was war denn das schönste und was war das schlimmste Erlebnis in deiner Geschichte bei der Charity?

Bei unserer Arbeit liegen das Schöne und das Schlimme sehr nah beieinander. Wenn so eine große Katastrophe passiert, wie jüngst auf den Philippinen, ist das erstmal sehr schlimm und geht mir auch sehr nah. Wenn ich aber sehe, wie unser Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe greift und wie viel Dankbarkeit von den betroffenen Familien zurückkommt, dann ist das superschön. Überhaupt ist es faszinierend zu sehen, wie viel Lebensfreude und Lebensmut da immer noch rüberkommt – trotz des Desasters.

Gibt es ein bestimmtes Projekt, dass dir besonders am Herzen liegt und das vielleicht ein paar Extra-Boosts wert ist?

Im Moment liegt der Fokus ganz klar auf den Philippinen, da kann jeder Cent eine Menge bewirken. Am Herzen liegt mir auch, dass klar wird, dass eine kleiner Boost eine Menge bewirken kann. Wenn alle boosten, dann können wir gemeinsam auf den Philippinen oder auch in anderen Ländern noch viel mehr erreichen!

Was empfiehlst du den boost-Nutzern, die sich noch mehr für die Charity einsetzen wollen? Wie kann man aktiv mitmachen, sich engagieren?

Neben der Spende bietet Habitat for Humanity die einzigartige Möglichkeit, aktiv in einem Projektland mitzubauen. Wir haben ein eigenes Freiwilligenprogramm dafür: die "Baureise". Das heißt, eine Gruppe kann vor Ort beim Bau von Häusern mithelfen, zusammen mit den Familien und Freiwilligen aus aller Welt. Firmen und Schulen machen das beispielsweise, Stichwort: Team Building. Im Prinzip kann aber jeder der mindestens 16 Jahre alt ist und eine Gruppe zusammenstellt, eine solche Baureise unternehmen. Es ist ein unvergleichliches Erlebnis, wenn man vor Ort aktiv mithelfen kann und mit der Familie zusammen ihr neues Zuhause „erschafft“. Die Erfahrungen sind in der Regel sehr positiv und emotional, ich kann das nur jedem ans Herz legen. Der Einsatz von Freiwilligen reduziert gleichzeitig Baukosten für die betroffenen Familien. Man kann sich aber auch für uns einsetzen, indem man von uns erzählt, es weitersagt. Spread the word - das hilft auch schon eine ganze Menge!

Vervollständige zum Abschluss diesen Satz: Ich möchte eine Welt, in der...

Ich möchte eine Welt, in der jeder Mensch ein schützendes Dach über dem Kopf hat!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin mit Habitat for Humanity und dem Häuserbau auf den Philippinen.


Gereon Fischer von Habitat for Humanity Deutschland e.V.

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