Charity des Monats: Die Deutsche Gesellschaft zum Schutz des Hundes e.V. (DGSH)

Von Benedikt Bentler am 28. April 2014 | 13:04



Selbstverständlich haben wir uns auch für diesen Monat eine Organisation ausgesucht, die wir zur Charity des Monats kühren. Zum ersten Mal ist die Wahl auf eine Tierschutzorganisation gefallen. Die DGSH unter der Präsidentin Simone Schröder macht vieles anders, als andere Tierschutzorganisationen. Das fängt bei der Website an, geht über den Vermittlungsablauf und den Auslandstierschutz bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Eines war am Ende des Interviews klar: Diese Organisation ist in der Lage etwas zu bewegen - mit neuen Ideen, Ansätzen und internen Reibungen, die schließlich Basis konstruktiver Entwicklungen sind - was leider viel zu oft vergessen wird.

Hallo Simone. Wer bist du und was machst du und warum Hunde?

Ich bin 43, studierte Kommunikationsfachfrau von der Akademie in Frankfurt, zuvor war ich auf der Hotelfachschule in Lausanne und habe den Beruf der Hotelmanagerin gelernt. Achja, ich bin Schweizerin. Ich bin schon von klein auf mit Hunden aufgewachsen. Mein Vater hat früher Boxer gezüchtet, das finde ich aus heutiger Sicht zwar überhaupt nicht gut, aber damals als Kind hat mich der intensive Kontakt mit Hunden natürlich geprägt. Es war immer mindestens ein Hund um mich herum. Nach dem Tod meines Vaters hatte ich dann selbst meinen ersten Hund. Der kleine Rauerdackel namens Leo ist leider vor vier Jahren gestorben, aber ihm zu Ehren tragen jetzt all unsere Hunde einen Vornamen mit L: Lotte, Louis, Lasse und Lehmann.

Wie kamst du darauf dich für Hunde einzusetzen?

Dafür muss ich ein bisschen zurückgehen. Anfang 2000 war ich in Griechenland und habe dort strangulierte Hunde an Bäumen hängen sehen - das war ein traumatisches Erlebnis. Der Anblick hat mich nicht mehr losgelassen. Von da an wollte ich unbedingt einer Tierschutzorga in Griechenland helfen, das hatte sich in mein Hirn eingebrannt. Als Thorsten und ich dann 2007 geheiratet haben, haben wir die Chance genutzt und auf Geschenke verzichtet. Was sollen wir auch mit der fünften Alessi-Teekanne? Wir wollten lieber Spenden sammeln, um eine Hundeschutzorga zu unterstützen. Thorsten hat dann Animal Protection Aegina & Agistri e. V. gefunden, mit denen wir in Kontakt getreten sind. Zu unserer Hochzeit haben wir gesammelt und aufgerundet - es kamen schließlich 12.000 Euro zusammen mit denen die Orga eine eigene Tierklinik fertigstellen konnte. In Griechenland gilt man nur als offizielle Tierschutzorganisation, wenn man eine eigene Praxis oder Klinik oder einen Operationssaal hat. Bescheuert oder? Mittlerweile ist das Tierheim eines der besten in Griechenland, auch wenn wir als DGSH nicht mehr aktiv mit ihnen kooperieren. Informationsaustausch findet aber nach wie vor statt.

Die Idee zur DGSH kam mit der Förderung der griechischen Tierschutzorga?

Ja ich bin kein sonderlich passiver Mensch. Ich wollte aktiver werden, die Rolle als stiller Sponsor hat mir nicht mehr gereicht. Erst recht nicht nachdem ich das Tierheim in Griechenland 2011 besucht habe. 2012 wurde dann die DGSH gegründet. Wir wollten uns aber von Anfang an nicht im Auslandstierschutz verzetteln, wie viele andere Hundeschutzorganisationen.


 
Ihr macht vieles anders. Allein eure Website hebt sich schon ab.

Ja da hatten wir das große Glück, dass eine befreundete, talentierte Grafikerin aus Hamburg sich unserer Seite angenommen hat. Die kenne ich aus früheren Zeiten. Unsere Seite sollte leichter daherkommen. Wir wollen den Tierschutz positiv zeigen, damit die Menschen Lust bekommen zu helfen. Viele Tierschutzorganisationen zeigen gleich auf der Startseite schon Tiere in Käfigen und ihre Seiten sind nicht mehr zeitgemäß. Daraus ist dann schnell ein Projekt geworden: Media-Hilfe. Ich habe gute Kontakte zu Grafikern und Leuten, die für kleines Geld eine schicke Homepage bauen. Wir haben jetzt die Seite des Tierheims Wetzlar neu gemacht und möchten das auch gern für andere Tierheime und Organisationen machen. Wir ziehen ja letztendlich doch an einem Strang, gegenseitige Hilfe kann da nicht schaden. Ich glaube unsere Website war auch einer der Hauptgründe, warum wir als junge Organisation den Dogs Award bekommen haben.

Welche weiteren Projekte laufen sonst noch?

Es gibt das Projekt Vet-Aid. Wir wollen uns einen gebrauchten Krankenwagen zulegen und den zu einer mobilen Tierarztpraxis umbauen. In Berlin, Hamburg und München gibt es das bereits. Wir möchten den Service hier im Rhein-Main-Gebiet abdecken. Dann ist da natürlich der Auslandstierschutz, das Projekt Gasthund. Wir holen Hunde aus dem europäischen Ausland, früher aus Griechenland, jetzt aus Bulgarien und Rumänien. Und wir bringen gerade unser eigenes Kastrationsprogramm auf den Weg.

Es gibt ja geteilte Meinungen darüber, ob es richtig ist, Tiere aus dem Ausland zu holen, auch unter Tierschützern. Die Gefahr Krankheiten wie Leishmaniose und Ehrlichiose nach Deutschland zu holen sei zu groß, habe ich schon mehrfach gehört. Und die Tierheime sind hier ebenfalls voll.

Als wir damals in Spanien und Griechenland gearbeitet haben sind wir sehr in das Thema eingestiegen, haben mit vielen Ärzten kooperiert. Leishmaniose wird über die Sandmücke übertragen. Wenn der Edeka-Händler seine spanischen Tomaten aufmacht, fliegen da sogleich ein paar Sandmücken raus. Dann gibt es Idioten, die ihren Hund mit ans Mittelmeer in den Urlaub nehmen. So kommt die Leishmaniose zu uns, ob wir wollen oder nicht. Unsere Hunde werden natürlich untersucht. Und tatsächlich lässt sich Leishmaniose sehr gut behandeln, auch wenn viele Tierärzte keine Lust haben, sich damit zu beschäftigen.
Ich bekomme des öfteren zu hören, dass unsere Vermittlung ja fast genau so aufwendig sei, wie die Adoption eines Kindes. Ja antworte ich dann, so sollte es auch sein. Leider wird bei Hunden aus den deutschen Tierheimen weniger darauf geachtet, ob die Vermittlung "passt". Und ja, leider sind die deutschen Tierheime voll. Aber erstens werden Hunde in deutschen Tierheimen in "Einzelhaft" gehalten. Man weiß, welche Auswirkungen Isolation beim Menschen hat, das ist beim Hund nicht anders. Die Hunde kann man danach nicht mehr einer Familie überlassen. Zweitens sind 60-70% der Hunde in den Tierheimen Listenhunde (per Gesetz gefährliche oder potenziell gefährliche Hunde, Anm. d. Red.). Ich kann schon verstehen, dass sich die junge, kleine Familie jetzt nicht gerade den Pit Bull aus dem Hamburger Milieu in die Wohnung holen möchte. Streuner aus dem Ausland sind vom Wesen her meist ganz anders, weniger aggressiv.

Was steht für dieses Jahr noch bei euch auf dem Plan?

Wir wollen unser Spendenvolumen erhöhen, wir wollen mediale Aufmerksamkeit, denn das ist unsere wichtigste Waffe. Für Hasstiraden mit aufgesetzten Masken und Einbrüche in Labore sind wir nicht zuständig. Wir wollen Themen auf der Sachebene diskutieren und suchen derzeit prominente Schirmherren für unsere Projekte - Paten, die Aufmerksamkeit generieren. Es interessiert ja niemanden, was Simone Schröder aus Wetzlar macht. Ein Thema liegt mir ganz besonders am Herzen, nämlich Sodomie, bzw. Zoophilie. Das Thema ist bis jetzt ein totales Tabu. Ich möchte gern aktiv gegen den Verein Zeta vorgehen, ein Verein von "Zoophilen", wie sie sich ja selbst nennen. Das ist mein Herzensthema, das wirklich Aufmerksamkeit verlangt. Die wenigsten wissen, dass Sodomie tatsächlich mehr oder weniger offen praktiziert wird. Aber versuch mal, einen Prominenten zu finden, der sich zu dem Thema äußern möchte - findste nicht. Aber wenn das mit den anderen Projekten klappt ist das ja auch was, wir wollen ja nicht undankbar sein.

Ihr habt Großes vor, und ich wünsche euch viel Erfolg!

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